Wie ich eine langjährige Leseflaute beendete – Teil 1

Meine Hobbies? Verstehe die Frage nicht!

Wer kleine Kinder hat, kennt es nur allzu gut: Wenn nicht gerade aufopferungsvolle Großeltern in greifbarer Nähe sind, schrumpft die tägliche Me-Time auf ein Maß, das Nicht-Eltern als „ausgedehnte Kaffeepause“ beschreiben würden. Es dauert Jahre, bis Freizeit endlich wieder mehr bedeutet, als abends ab halb zehn erschöpftes Doomscrolling zu betreiben und eine gute halbe Stunde später ins Koma zu fallen Wer hat da den Nerv, sich noch mit anspruchsvoller Literatur auseinanderzusetzen? Eben … 

Schande, Schande: Wenn die Buchexpertin privat nicht zum Lesen kommt 

Als Person, die beruflich in der Book Bubble unterwegs ist, muss ich regelmäßig auf die Smalltalk-Frage nach der aktuellen Lektüre gefasst sein. Klar kann man dann kreuzehrlich das letzte vorgelesene Kinderbuch anführen oder den Ratgeber über heimische Küchenkräuter, für den man gerade Marketing gemacht hat. Aber Hand aufs Herz: Das ist auf Dauer kein erstrebenswerter Zustand! Was also tun?

Ein bisschen Auszeit muss sein!

Welch ein Glück, wenn eines schönen Tages die Nachbarin klingelt und Begleitung für ihr frisch erworbenes Theaterabo sucht! Plötzlich geht es um soziales Kapital und man geht Verpflichtungen ein, die nicht eben weggewischt werden können, nur weil Junior mal wieder nicht schlafen mag. Mama sitzt halt schon im Saal und ist für die nächsten zwei Stunden – leider leider – nicht erreichbar.

Theater ist wie Eintauchen in eine andere Welt und damit dem Lesen nicht unähnlich. Nicht jede Aufführung hat bei mir wahre Begeisterungsstürme hervorgerufen, aber ein paar sind definitiv hängengeblieben. Und mit ihnen das Bedürfnis, sich auch an die Buchvorlage heranzutrauen.

Happy End, oder: Wenn ein Hobby zum anderen zurückführt

Ins Theater gehe ich nicht mehr, die Gruppe hat sich aufgelöst: Zu viele Verpflichtungen … Aber der Neuanfang beim Lesen ist mir geblieben. Die Hürde, ein Buch anzufassen, das ich bereits von einer Aufführung kenne, ist eben geringer. Schließlich ist der Inhalt bereits bekannt und ich habe die Bilder noch im Kopf. Dazu kommt die Neugierde darauf, wie sich das Original zur Inszenierung verhält und welche offenen Fragen und Verständnislücken sich mit der Lektüre schließen lassen. Das hat mich manche abendliche Müdigkeit überwinden lassen.

Und dann führte eins zum anderen: Dürrenmatts »Die Physiker« hat mir so gut gefallen, dass ich gleich noch den »Besuch der alten Dame« drangehängt habe. Abgründig, zynisch und einfach empfehlenswert! Die eine oder andere weitere Buchvorlage schlummert noch friedlich auf dem SUB. Wie weit reicht der Elan aus dem Theatersaal? Wir werden sehen …

Wie ich eine langjährige Leseflaute beendete – Teil 1
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