Kategorie: Unterwegs

  • Mehr Festtagsstimmung geht nicht! Unser erster Besuch auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt 

    Ich bleibe grundsätzlich misstrauisch, wenn mir zu häufig mitgeteilt wird, dass man diesen oder jenen Ort unbedingt gesehen haben muss. So erging es mir lange Zeit mit dem Straßburger Weihnachtsmarkt. Kann er wirklich so wunderschön sein, wie alle sagen? Oder wird man dort nicht eher totgetreten, anstatt die Atmosphäre genießen zu können? Antworten gibt es in meinem kleinen Besuchsbericht!

    Straßburg zur Adventszeit – eine Stadt im Ausnahmezustand

    Das Besondere am Straßburger Weihnachtsmarkt wurde recht schnell offensichtlich: Hier gibt es nicht nur einen zentralen Markt, sondern die gesamte Innenstadt spielt mit! Stände und Märkte verteilen sich über verschiedenste Plätze und Gassen. Dazu ist die Stadt bunter geschmückt, als es der Weihnachtsmann eigentlich erlauben sollte: Überall blinkende Lichter, bewegliche Installationen und atemberaubend aufwändige Dekoration, wo immer man hinschaut. Und die allermeisten Geschäfte stimmen mit ein und schmücken ihre Außenfassaden mit so viel Liebe und Blick fürs Detail, dass man einfach stehen bleiben muss. So sind selbst entlegene Seitenstraßen mit den staunenden Kindern nur noch im Schneckentempo zu bewältigen. 

    Ein Nachmittag zwischen überladenem Kitsch, Touristenströmen – und besinnlicher Atmosphäre 

    Wir besuchten den Weihnachtsmarkt am zweiten Wochenende und sind damit möglicherweise dem größten Besucheransturm entgangen. Voll war es in jedem Fall, umso voller, je fortgeschrittener die Stunde. Doch der größte Andrang entstand definitiv an einigen wenigen beliebten Hotspots: Rund um die Kathedrale, auf dem Place Kléber, wo ein überdimensionaler Weihnachtsbaum der Blickfang schlechthin war, oder in der Rue des Orfèvres mit ihren hart am Kitsch vorbeischrammenden Lichtinstallationen. Hier war stellenweise nur noch Durchschieben angesagt.

    Abseits der überfüllten Plätze gab es jedoch jede Menge Raum, um die weihnachtlich geschmückte Stadt in aller Ruhe und Ausführlichkeit zu erkunden. So beispielsweise am Ufer des Quai de Bateliers, der zum romantischen Flanieren unter künstlichem Sternenlicht einlud. 

    Unser Fazit: Lohnt sich ein Besuch?

    Unterm Strich: Ja! Einmal im Leben muss man ihn einfach gesehen haben! Als Kennerin typisch uriger deutscher Weihnachtsmärkte ist der Besuch in Straßburg ein fast schon exotisch anmutendes Erlebnis. Hier verbinden sich traditionelle Elemente mit modernem Weihnachtskitsch zu einem einzigartigen Spektakel. Lediglich der Anblick schwer bewaffneter Polizisten an jeder Ecke hat den Zauber etwas gedämpft, aber Sicherheit geht nun einmal vor. Und die gezielte Lenkung der Besucherströme hat dafür gesorgt, dass auch an Engstellen keine Panik aufkam. 

    Wenn ihr dorthin wollt, fahrt unbedingt mit der Bahn von Kehl aus über die Grenze. Das erspart euch auch, in langwierige Kontrollen zu geraten (die Autoschlange über den Rhein konnten wir von der Bahn aus beobachten). Wer noch weitere Informationen über den Straßburger Weihnachtsmarkt sucht, wird auf den Seiten des Office de Tourisme fündig.

  • Historiker – Highlight am Fuße der Alpillen: Die antiken Ruinen von Glanum

    Wer an großflächig erhalten gebliebene antik-römische Stätten denkt, bei denen es noch richtig viel zu sehen gibt, landet vermutlich erst einmal bei Orten wie dem Forum Romanum, Pompeji, Ostia Antica, der Via Appia oder vielleicht noch den Kaiserthermen in Trier. In unserem ersten Provence-Urlaub haben wir einen Geheimtipp kennengelernt, der locker mithalten kann: Die antike Stätte Glanum bei St.-Rémy-de-Provence bietet Überreste einer alten Siedlung aus römischer und vorrömischer Zeit.

    Auf den Spuren der römischen Antike: Unser Lieblingsziel im Herzen der Provence

    Wer zum ersten Mal nach Glanum kommt, sollte viel Zeit einplanen: Das Areal ist weitläufig und kann komplett auf eigene Faust erkundet werden, bis in die letzten verborgenen Winkel am Fuß des Berghanges. Ratsam ist außerdem eine schützende Kopfbedeckung bei entsprechendem Wetter, da es nicht allzu viel Schatten gibt. Mittlerweile haben wir Glanum bereits zum dritten Mal einen Besuch abgestattet. Und immer noch finden wir neue Details und entdecken, auf der Jagd nach den schönsten Motiven, Artefakte, die wir noch nie vor der Linse hatten.

    Unsere Zeitreise beginnt immer gleich, auf dem staubigen, aber großzügig bemessenen Parkplatz, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu den sogenannten »Antiques« angelegt wurde: Einem 18 Meter hohen Mausoleum (ca. 40 v. Chr.) und dem alles überragenden Triumphbogen aus der späten Regierungszeit des Augustus. Wenn man aus dem Staunen erfolgreich herausgekommen ist, überquert man die Straße und läuft noch ein kleines Stück weiter stadtauswärts, vorbei an Olivenhainen, bis zum Eingang der Stätte Glanum, die in der Talmulde liegt.

    Kelten, Römer und Hellenen: Über die wechselvolle Geschichte von Glanum

    Die, laut offiziellem Flyer, »bedeutendste Ausgrabungsstätte der Gallia Narbonensis«, hat bewegte Zeiten hinter sich. 

    Triumphbogen und Mausoleum waren lange bekannt, doch erste Hinweise auf die Stadt fand man erst im 17. und 18. Jahrhundert. Systematische Ausgrabungen derselben fanden dann sogar erst ab dem Jahr 1921 statt. Zu diesem Zeitpunkt war Glanum bereits lange aufgegeben: Es wurde von seinen Bewohnern um ca. 260 n. Chr. verlassen, nach dem Einfall der Alemannen.

    Die Besiedlungsgeschichte des Ortes beginnt bereits mit den Kelten ab dem 7./6. Jahrhundert v. Chr. Im Laufe des 3. Jahrhunderts vor Christus machte sich dann der hellenistische Einfluss bemerkbar bevor die Stadt unter Augustus im 1. Jhd. V. Chr. zur römischen Kolonie wurde. Aus allen Epochen finden sich gut erhaltene Überreste und Bauwerke. 

    Was gibt es in Glanum zu entdecken? 

    Eine ganze Menge! Glanum hat weit mehr zu bieten als nur ein paar kniehohe Mauerreste. Ganze Wohnviertel wurden ausgegraben, mit Überresten von Säulen und Innenhöfen. Teile der Kanalisation und der römischen Thermen finden sich hier. Außerdem ein hellenistischer Marktplatz, korinthische Tempel und ein romanisches Forum, dessen Säulen ein Blickfang des Areals sind. Nicht zu vergessen auch die heilige Quelle, zu der man hinabsteigen kann.

    Unser Fazit: Immer eine Reise wert! Und zum Abschluss, wenn alle voller Eindrücke sind und die Füße nicht mehr weitertragen wollen, lohnt sich ein Picknick im Schatten der Olivenbäume oder eine Einkehr für Snacks und kalte Getränke am »buvette de Glanum«, mit Blick auf die Ausgrabungsstätte.Weitere Informationen für den Besuch wie Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr auf der offiziellen Seite zu Glanum

  • Wanderer zwischen den Welten: 10 Unterschiede zwischen Nord und Süd – Teil 2

    Lange musste der geneigte Leser sich in Geduld üben. Nun endlich folgt die Fortsetzung unserer kleinen Milieustudie – wie in Teil 1 rein subjektiv und stets mit einem leichten Hang zur literarischen Übertreibung. Der Umzug vom Bremer Großstadtviertel ins badische Ländle brachte einiges an Überraschungen mit sich, über die wir auch gut acht Jahre später noch so manches Mal staunen. Vorhang auf für Teil 2 des großen Clash of Cultures zwischen Fischköppen und Badensern!

    Seit mehr als acht Jahren sitzen wir nun hier, im ländlichen Speckgürtel der Beamtenstadt Karlsruhe. Dass wir nach unserem Umzug aus Norddeutschland auf gravierende Unterschiede treffen würden, war uns schon vorher bewusst. Manche davon hatten wir schließlich lange herbeigesehnt: Das bessere Wetter mit viel Sonnenschein und höheren Temperaturen, die abwechslungsreiche Landschaft (Berge!!!) und – für zwei Historiker nicht unerheblich – die zahlreichen antiken und mittelalterlichen Kulturdenkmäler, die im Südwesten zu finden sind.

    Andere Dinge wie den badischen Dialekt hatten wir zwar vorausgesehen, aber definitiv unterschätzt. (ja, langsam, ganz langsam, verstehe ich meine Nachbarn – zu vielleicht 80 Prozent). Doch es gab auch jede Menge kleine, aber feine Mentalitätsunterschiede, die uns eiskalt erwischt haben. Viel Spaß mit unseren schönsten Anekdoten! 

    6. Essen & Trinken

    Keine Frage – das gastronomische Angebot in Bremen ist enorm: International, vielfältig und an jeder Straßenecke vorhanden. Doch wir haben es immerhin mit der zehntgrößten Stadt Deutschlands zu tun. Also staunten wir nicht schlecht über die vergleichsweise hohe Restaurantdichte in einem verschlafenen Kaff wie dem unsrigen. Kulinarik besitzt einen hohen Stellenwert in Baden, was vielleicht auch auf die große Nähe zu Frankreich zurückzuführen ist. Man geht unglaublich gerne essen und der Anspruch der lokalen Küche ist hoch. 

    Während man sich also in Bremen für die Kreation des »Rollo« rühmt (ein dünnes Fladenbrot, gefüllt mit allerlei genießbaren und ungenießbaren Zutaten), verzehrt man im Ländle als Fastfood-Pendant doch lieber liebevoll angerichtete »Mauldäschle« oder raffiniert belegte Flammkuchen. Eines muss man den Norddeutschen aber lassen: Beim Thema Tee reicht ihnen so schnell niemand das (heiße) Wasser!

    Todsünde im Süden: Keine Tischreservierung gemacht, egal ob nur zu Randzeiten? Pech gehabt!

    7. Karneval, pardon: Fasching!

    Über das Thema Karneval im Norden gibt es nicht viel zu sagen: Es existiert dort schlichtweg nicht. Sollte es jemand wagen, am Rosenmontag auch nur dezent verkleidet zur Arbeit zu erscheinen, erntet derjenige im besten Fall ein nachsichtiges Kopfschütteln. Im schlimmsten wird er mit der unausgesprochenen Frage »Was für ein kranker Freak ist das denn?« konfrontiert, da der Bezug zum Feiertag erst gar nicht hergestellt wird.

    Und auch mit der Terminologie kann man im Karnevals-Niemandsland wenig anfangen. Auf meine beiläufige Aussage zum Bürokollegen, dass ja übermorgen schon Weiberdonnerstag sei, traf ich auf irritierte Blicke und die ernst gemeinte Frage »Was ist das?«

    So etwas wäre in unserer neuen Heimat gar nicht möglich, auch wenn Weiberfastnacht regional als »Schmutziger Donnerstag« bezeichnet wird (klingt richtig schön versaut, oder …). Weitere Irritation erntete ich als Ex-Rheinländerin mit der inkorrekten Bezeichnung Karneval anstelle von Fastnacht oder Fasching. Und als ich die Erzieherin fragte, welches Kostüm sie für den Anlass parat hätte, folgte eine mehrteilige Aufzählung: Jeden Tag ein neues Outfit – so muss das sein!

    Todsünde im Norden: Sich als Karnevalsfan outen (bin ich zum Glück nicht ;-)). Ein Geständnis, das ohne Umschweife den sozialen Tod einläuten kann.

    8. Angespannte Gelassenheit

    Wer ist denn nun eigentlich entspannter drauf, die Norddeutschen oder die Kollegen aus dem sonnigen Süden? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten und nach mehrjährigen Feldstudien komme ich zu dem Ergebnis: Es kommt drauf an!

    Während ich in Bremen mein Kind stets von oben bis unten eingesaut wie ein Waldferkel aus der Kita abgeholt habe, beschweren sich Eltern vor Ort, wenn die extra dafür angedachten Gummistiefel Spuren von Outdoor-Aktivität aufweisen oder Essensreste nicht zu 100 % aus dem Gesicht ihres Kindes entfernt wurden.

    Auf der anderen Seite würde hier niemandem einfallen, Eltern für mäßig gesunde Lunchboxen oder Buffetbeigaben zu maßregeln oder sich über Plastikschnuller aufzuregen. Da war die Bremer Bio-Fraktion mit ihrem erzieherischen Impetus wesentlich aufdringlicher. 

    Sagen wir einfach: Das Ländle ist geprägt von tiefster Widersprüchlichkeit. Hörte man zu Beginn des Corona-Lockdowns und den ersten Nudel-Ausverkäufen hinter sich noch lockere Sprüche an der Supermarktkasse (»Ah jo, do esse mer halt Spätzele …«) wurde man später hysterisch an den Pranger gestellt, wenn man auch nur über das Thema Impfen nachdachte.

    Todsünde im Süden: Zu viel Gelassenheit bei Themen wie Sauberkeit, Religion – oder Schulmedizin.

    9. Arbeitsmoral

    Ackern und zeitig aufstehen übt sich früh im Ländle. Spätestens ab Schuleintritt ist Schluss mit lustig und die erste Stunde mit Beginn um 7:35 Uhr keine Seltenheit. Das Schulsystem in BaWü ist berühmt-berüchtigt für Anspruch und Leistungsdenken. Und das kann ich in jeglicher Hinsicht leidvoll bestätigen: Da stehen Dinge für Klasse 4 auf dem Lehrplan, die zu unseren glorreichen NRW-Schulzeiten Stoff in Klasse 7 waren. Und die Klausurendichte fällt eindeutig höher aus als in den gemeinen Durchschnittsbundesländern.

    Doch auch am Arbeitsplatz, im Vereinswesen oder selbst beim nachbarschaftlichen Wettstreit um die schönste Gartenanlage wünscht man sich manchmal nichts sehnlicher, als von der »Schaffe, schaffe, Häusle baue«-Mentalität nur einmal wieder in den Bremer »Alles latte«-Modus zu wechseln …

    Todsünde im Norden: Sich über das Bremer Abitur lustig machen.

    10. Familie

    Heiliger als die Kirche oder die eigene Reputation ist hier nur eins: La Famiglia! Paare mit 4, 5 Kindern sind keine Seltenheit, während man in Bremen schon fast als spießig angesehen wurde, wenn man mehr als 2 Blagen produziert hat. Außer, man hat es irgendwie geschafft, als Frau trotzdem Vollzeit arbeiten zu gehen … Emanzipation geht schließlich vor!

    Ob im Restaurant oder auf privaten Feiern: An die Kinder wird hier immer mitgedacht. Spielecken, Wickelräume, Hochstühle – alles vorhanden. Ich werde nie vergessen, wie wir einst ein ultra feines Bremer Restaurant in Bausch und Bogen verlassen mussten, da jemand die Windel bis unter den Nacken voll hatte – und es keinerlei Wickelgelegenheit gab. Sich mit uneinsichtigen Radfahrern um die raren Kinderwagenstellplätze in der Straßenbahn zu kloppen, war auch immer eine ganz besondere Erfahrung. 

    Todsünde im Süden: Kitabetreuung für unter Dreijährige!

  • Unterwegs mit Kindern – Ferienparadies Bodensee

    Blick auf den Bodensee

    Pünktlich zur Ferienzeit gibt es heute einmal Urlaubstipps aus erster Hand. Mehrfach hat man uns in den letzten Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass der Bodensee als Familie unbedingt auf die Liste von Urlaubszielen gehört. Im vergangenen Sommer war es dann so weit: 10 Tage haben wir uns im idyllischen Uhldingen-Mühlhofen direkt am See einquartiert. Und ich kann sagen: Wir waren begeistert, von den vielen Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen, von der herrlichen Landschaft und natürlich dem tollen Wetter. Hier findet ihr also eine Auswahl unserer schönsten Ausflugsziele und Aktivitäten. Viel Spaß beim Stöbern!


    1. Insel Mainau

    Meine persönliche Nummer 1, direkt nach Meersburg: Schon die Überfahrt mit dem Schiff ist ein Erlebnis für Groß und Klein. Die Insel selbst darf den Namen „Blumeninsel“ absolut zu Recht tragen: Es gibt überall wunderschöne Arrangements und üppige Beetanlagen zu bewundern, dazu beeindruckende Baumriesen und natürlich die herrliche Aussicht auf den See.

    Aber da ist noch jede Menge mehr: Für Kinder gibt es ein spannendes Quiz, das rund um die Insel führt, außerdem herrliche Spielplätze und ein paar Tiergehege mit Bauernhofbewohnern zum Streicheln. Highlight ist auch das zweitgrößte Schmetterlingshaus Deutschlands. Die bunten, federleichten Bewohner ziehen auch die Kleinsten schon in ihren Bann.

    Wer die Insel besuchen möchte, sollte reichlich Zeit mitbringen: Man muss schon gut zu Fuß sein, um halbwegs alles gesehen zu haben. Mit dem Fahrrad darf man dort leider nicht auf Tour gehen. Auch, wenn der Preis nicht ganz günstig ist (bis zu 28,50 EUR für einen Erwachsenen, plus Transfer; Stand Juli 2023), so lohnt sich der Besuch in jedem Fall und bietet Familien viel Raum zum Durchatmen und Entspannen.

    2. Pfahlbauten Unteruhldingen

    Quasi direkt vor unserer Haustür befanden sich die Pfahlbauten von Unteruhldingen. Sie gehören zum ältesten deutschen Freilichtmuseum und befinden sich direkt am Bodenseeufer. Auf Holzstegen wandert man zwischen den einzelnen Hütten umher und begibt sich auf eine Reise zurück in die Stein- und Bronzezeit, immer begleitet von einem fabelhaften Ausblick auf das Seepanorama.

    Kindgerecht vermittelt erfährt man hier, wie solche Häuser gebaut wurden und wie die Menschen in dieser Zeit lebten. Alles ist sehr detailgetreu und die Mitarbeiter waren gerne bereit, auf Nachfrage spannende Geschichten zu den gezeigten Exponaten zu erzählen. Denn in der dazugehörigen Ausstellung warten über 1.000 faszinierende Originalfunde. Auf dem „Steinzeitparcours“ an Land gibt es auch Spielangebote für die Kleinsten und die Möglichkeit für ein Picknick.

    Ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert und kann sehr individuell gestaltet werden. Erwachsene zahlen 12,00 EUR, Kinder ab 5 Jahren 8,00 EUR Eintritt (Stand Juli 2023).

    3. Bodenseestrand Uhldingen

    Unmittelbar neben den Pfahlbauten befindet sich eine Strandpromenade mit der Möglichkeit, direkt und kostenlos am See zu liegen und baden zu gehen. Hier haben wir die meiste Zeit verbracht, denn abseits vom Planschvergnügen werden hier jede Menge Freizeitaktivitäten geboten: Es gibt mehrere Einkehrmöglichkeiten und Eisdielen, dazu eine Minigolfanlage.

    Highlight ist jedoch sicherlich der riesengroße Spielplatz direkt am See, der sich optisch an die danebenliegenden Pfahlbauten anlehnt. Die Holzhütten, Steine und Seilgerüste bieten den Älteren jede Menge Klettermöglichkeiten. Ein überschatteter Sandkasten lockt die Kleineren und die Schaukel direkt ins Blaue des Sees hinein hat etwas absolut Einzigartiges.

    Leider war dieser Strand recht beliebt und bei gutem Wetter im August komplett überfüllt. Ein bisschen ruhiger war es an der Seepromenade am Bootshafen, gegenüber der Pfahlbauten. Hier kann man schön spazieren gehen und einen fantastischen Blick in die Ferne genießen.

    4. Meersburg mit Burg Meersburg

    Von den Städtchen, die wir besichtigt haben, war Meersburg unsere unangefochtene Nummer 1! Die historische Altstadt bezaubert mit ihrem Charme und die Hanglage der Stadt direkt am Bodensee mitten in den Weinbergen tut ihr Übriges. Voll war es auch hier überall, und dennoch sollte man diese Perle auf gar keinen Fall verpassen.

    Unser Highlight war die Burg. Da der Kleine so gar nicht dafür aufgelegt war, mussten wir leider auf den wohl äußerst lohnenswerten Rundgang verzichten. Doch an der Kasse wurden wir freundlicherweise darauf hingewiesen, dass wir einen kleinen Teil der Burg auch ohne Eintritt besichtigen können. So war es dann auch, und wir konnten zumindest ein wenig Mittelalter-Atmosphäre schnuppern und auf der Dachterrasse mit atemberaubender Aussicht eine Erfrischung zu uns nehmen.

    Großartig sind übrigens auch das Strandbad und die Therme, die unmittelbar nebeneinander am Seeufer liegen. Neben vielfältigen Becken mit Seeblick gibt es auch den direkten Zugang zum Gewässer. Das Strandbad lockt mit einer tollen Erlebnislandschaft für Kinder mitten im See! Aber Achtung: Die darf wirklich nur von Schwimmern genutzt werden – Schwimmflügel reichen da leider nicht …

     5. Und sonst so?

    Die Bodenseeregion hat noch viele weitere attraktive Freizeitmöglichkeiten zu bieten. Manches hat uns dann eher enttäuscht, was häufig am wirklich heftigen Besucherandrang lag. Während unseres Besuchs auf dem Affenberg Salem beispielsweise hieß es einfach nur Durchschieben. In Ruhe die possierlichen Tiere beobachten war gar nicht möglich. Ins Schloss Salem durften wir mit unserer Kraxe nicht hinein, was man uns am Ticketschalter noch nicht mitzuteilen in der Lage war. Ein ziemlicher Reinfall.

    Der Besuch in Konstanz war nett, aber nicht umwerfend, das hiesige Sea-Life drastisch überfüllt. Überlingen hat einen wunderschönen Stadtgarten, der sich lohnt. Ansonsten war für uns Erwachsene eine Tour durch die Weinberge nahe Meersburg der Hit, mit gigantischer Aussicht und einem Stopp am idyllischen Rebgut Haltnau. Selbst der Spielplatz hat jedoch die Kinder an diesem Tag nicht mit der Wanderung versöhnen können. Alle Interessen unter einen Hut zu bringen ist eben doch manchmal eine Kunst …

  • Wanderer zwischen den Welten. 10 Nord-Süd-Gegensätze. Teil 1

    Der folgende Beitrag ist längst überfällig: Seit mehreren Jahren wundern wir uns über die großen und kleinen Dinge, die hier irgendwie anders laufen. Damals sind wir vom verregneten Bremen in ein schnuckeliges badisches Dörfchen umgezogen.

    Natürlich hatten wir damit gerechnet, dass es Unterschiede geben wird: Schließlich hat es uns von einer weltgewandten, einkommensschwachen und irgendwie anarchischen Großstadt direkt in ein konservatives Nest mit traditionellen Werten und deutlich erkennbarem Wohlstand verschlagen, das von echten Einheimischen höchstens für einen Ausflug in »die Stadt« verlassen wird.

    Doch der Vergleich mit anderen ländlichen und urbanen Regionen, die wir näher kennen, zeigt: Das erklärt nicht alles! Zeit also, sich mit dem »Clash of Cultures« zwischen Nord und Süd einmal ausgiebiger zu beschäftigen. Wichtig dabei: Wer Klischees findet, darf sie gerne behalten. 😉 Nur wenige Kilometer weiter, bei den berühmt-berüchtigten Schwaben, geht’s sowieso schon wieder eigen zu. Ich habe lediglich Spaß daran, gesammelte Beobachtungen und Erfahrungen zu teilen. Und lasse mich gerne darauf ein, wenn ihr anderes erlebt habt.


    1. Pünktlichkeit

    In Bremen hat mir der norddeutsche Hang zur Überpünktlichkeit schon so manchen Ärger eingehandelt. Getreu dem Motto: »Wer pünktlich kommt ist schon zu spät« saßen sogar in den Babykursen alle Mütter spätestens fünfzehn Minuten vor der Zeit im Raum und warteten – auf mich. Wie sie das nur schafft, hatte ich eine gefragt. Die Antwort: Mindestens eine Stunde früher losgehen und zur Not noch eine halbe Stunde um den Block rennen …

    Was fühlte ich mich erleichtert, als ich hier zum ersten Mal zwei Minuten verspätet kam, mich in alter Gewohnheit in größter Demut entschuldigte – und nur ein müdes Abwinken erntete: »Entspannen Sie sich, Sie sind ja gar nicht wirklich zu spät! « Seitdem atme ich auf.

    Todsünde im Norden: Zwei Minuten vor der Zeit auftauchen. »Wir warten schon …!«

    2. Religion

    Dazu folgende vielsagende Anekdote: Als sich jemand aus der Familie in NRW ein Dokument ausstellen ließ, um Taufpate in Bremen zu werden, wunderte sich die Beamtin folgendermaßen: »Ach, und bei den Heiden da oben brauchen Sie das? « Egal ob Stadt oder Land: Religion spielt im Süden einfach die größere Rolle. Atheisten suche ich bislang vergebens, während man in Bremen schon fast als wunderlicher Exot galt, wenn man angab, gläubig zu sein.

    In unserer Gegend beherbergen sogar die sonst so liberalen evangelischen Kirchen wahre Hardcorechristen. Im konfessionellen Kindergarten fanden jedenfalls, neben dem Singen von Kirchenliedern und dem Malen von Bibelmotiven (z.B. die sieben Todsünden …) wenig andere Themen Platz.

    Todsünde (wortwörtlich) im Süden: Erklären, dass man mit Gott und dem ganzen Kirchengedönse nix am Hut hat …

    3. Freundlichkeit & Hilfsbereitschaft

    Während uns in Bremen nur genervte Blicke trafen, nachdem unsere Tochter aus dem Kinderwagen gefallen war, trug mir ein Mann vor Ort mein verlorenes 10- Cent-Stück noch fast einen halben Kilometer hinterher. Extrembeispiele? Vielleicht. Tatsächlich jedoch ist man hier – zumindest vordergründig – freundlicher. Das fängt schon beim Bäcker an. In Bremen ist es schwer, einem Verkäufer wenigstens ein müdes Lächeln abzuringen. Und wehe, du hast im Restaurant einen Sonderwunsch …

    Dabei muss man aufpassen, dass man die hier manchmal fast übertrieben wirkende Hilfsbereitschaft und überschwängliche Freundlichkeit nicht überinterpretiert. Tatsächlich habe ich es manchmal erlebt, dass Einladungen und Angebote offenbar aus purer Höflichkeit ausgesprochen wurden und man für Irritationen sorgte, als man diese tatsächlich annahm. Hier ist der Norden doch einfach ein Stück weit ehrlicher.

    Todsünde im Süden: Eigentlich ist das Hindernis auf deiner Seite – und trotzdem wird man dir oft genug die Vorfahrt schenken. Wehe, wenn du das nicht sofort schnallst und losbraust …

    4. Gesprächigkeit

    Ich bin wirklich nicht ausnehmend geschwätzig. Und doch kam ich mir in Bremen oft wie die größte Quasselstrippe vor. Man sagt ja, über Babykurse könne man prima Kontakte knüpfen. Das ist bloß so schwierig, wenn alle sich konsequent anschweigen und wenig mehr hervorbringen als »Moin« und »Tschüss« … Erst nach einer gefühlten Ewigkeit – also zwei Kurszyklen später – bröckelte langsam das Eis. Aber ein Rest von Zurückhaltung ist bei den Bremer Mamis, die ich näher kennengelernt habe, immer geblieben.

    Das sah bei den – zugezogenen – Kolleginnen und Kollegen von Anfang an anders aus.

    Und hier im »Länd«? Ganz andere Welt! Da wirst du gnadenlos überall ins Gespräch verwickelt: Im Wartezimmer vom Arzt, an der Kasse im Supermarkt, gerne auch mitten auf der Straße. In der Regel bleibt es bei Oberflächlichkeiten. Aber es ist einfach nett, wenn Menschen spontan und offen ihre Gefühle mit dir teilen. 😊 Meistens, jedenfalls. 😉

    Todsünde im Norden: Mit Vermietern/Ärzten/Kita-Erziehern und Co. über Dinge zu sprechen, die nicht unmittelbar mit der Sache zu tun haben. Ausgenommen vielleicht das »Schietwedder«

    5. Sauberkeit & Ordnung

    Sylvester in Bremen bedeutet Krieg! Schon den ganzen Tag über knallt es an allen Ecken und Enden der Stadt. Wem seine körperliche Unversehrtheit lieb ist, der betritt die Straßen der zentraleren Viertel nach ca. 21 Uhr nicht mehr. Der Dreck, der einen am Morgen danach erwartet, liegt jenseits aller Vorstellungskraft. Und es dauert Tage, an manchen Stellen gar Wochen, bis die letzten Spuren endlich beseitigt sind.

    Was habe ich mich über das Schauspiel hier vor Ort amüsiert! Kurz vor 12 wird ein wenig Feuerwerk auf die Straße geschoben, das um PUNKT Mitternacht gezündet wird. Keine 15 Minuten nach dem Jahreswechsel sind bereits die letzten Sektflaschen eingesammelt. Dem Dreck vom Feuerwerk wurde fein säuberlich mit dem Handfeger zu Leibe gerückt. Am Morgen danach hätte man an eine Fata Morgana glauben können. 😉

    Todsünde im Süden: Das Nichteinhalten der sogenannten Kehrwoche. Wenn du dich bei deinen Nachbarn unbeliebt machen willst, steht dieser Fauxpas eindeutig ganz oben auf der Liste …