Autor: Die Architexterin

  • Rezension: 100x unnützes Wissen mit Wow-Effekt

    In drei Worten: Wissenswertes mit Witz
    100x Unnützes Wissen mit Wow-Effekt, Hablibu Verlag

    Die perfekte Symbiose aus Wissen und Unterhaltung! 

    Wie brachte eine Kaffeekanne die erste Webcam hervor? Warum ist jedes simple Kartenmischen ein einzigartiges mathematische Ereignis? Und wo kann man in Deutschland noch für 0,88 EUR im Jahr zur Miete wohnen?

    Dieses Buch liefert Antworten, die einen gleichermaßen zum Schmunzeln wie auch zum Staunen bringen. Hier treffen haarsträubende Anekdoten aus der Geschichte der Wissenschaft auf unglaubliche Fakten aus Natur, Tierreich und Technik. Wir lernen bahnbrechende Erfindungen kennen, die unsere Zukunft verändern werden und besuchen Orte, die ihren eigenen Gesetzen gehorchen – auf dem Planeten Erde und außerhalb davon.  

    Unterhaltsam ist dieser kurzweilige Band allemal. Wer Freunde, Familie oder Arbeitskollegen mit verblüffenden Geschichten versorgen möchte, liegt hier goldrichtig:  Vom ersten echten Computerbug über BH-Produzenten in der Raumfahrt bis hin zum See, der jedes Leben versteinert, gibt es jede Menge Überraschungen.

    Darüber hinaus kann von „unnütz“ keine Rede sein, wenn es beispielsweise um die erstaunlichen Eigenschaften von Bärtierchen, Batterien aus Salz und Wasser oder neueste Innovationen in der Medizin geht. Im Zeitalter KI-generierter Antworten und Bücher besonders erwähnenswert: Alle Fakten können anhand des Quellenverzeichnisses überprüft werden. 

    Aufgelockert wird das Ganze durch lustige Cartoons. Die einzelnen Abschnitte haben die ideale Länge, wenn man nicht viel Zeit hat und sich die interessanten Wissenshäppchen einfach mal zwischendurch genehmigen möchte.

    Fazit: Eine tolle Gelegenheit den eigenen Horizont zu erweitern – und die Welt da draußen mit anderen Augen zu sehen!

    Rund ums Buch:

    „100 x Unnützes Wissen“ ist der Erstling von Selfpublisherin Yuliya Firsova und wurde mir von ihr als Belegexemplar für Lektoratsarbeiten zur Verfügung gestellt.

    100 x unnützes Wissen mit Wow-Effekt * Yuliya Firsova * Amazon KDP * 9798257959677 * April 2026 * 198 Seiten * Softcover * ab 9 Jahren

  • Aufgelesen: Stausauger

    Kindliche Wortneuschöpfung: Stausauger

    Kinder erfinden nicht nur neue Worte – sie haben auch viele praktische Ideen, die das Leben leichter machen (könnten). Eine Szene von der letzten langen Autofahrt, wir alle bereits genervt von den typischen verkehrsbedingten Verzögerungen:

    Auf der Gegenfahrbahn passiert uns eine beeindruckend große Kehrmaschine.

    »Stau-Sauger!«, dröhnt es aufgeregt von der Rückbank.

    Ob der Kampf gegen Staub und Dreck auf den Straßen gemeint war oder ob mein Sohn tatsächlich ein Instrument gegen Straßenverstopfung ersonnen hat? Das bleibt wohl auf ewig sein Geheimnis.

  • Rezension: Das war doch keine Absicht!

    In drei Worten: Entschuldigen mal anders
    Das war doch keine Absicht, Jörg Mühle

    Der Bär und das Wiesel sind zurück!

    Wie haben wir uns gefreut, als wir den neuen Band aus Jörge Mühles Bär-und-Wiesel-Reihe entdeckt haben! Und wurden nicht enttäuscht – die Wortgefechte, die sich die beiden liefern, sorgen erneut für jede Menge Erzählspaß und vergnügliche Lesemomente.

    Doch von Anfang an: Es ist Winter und unsere beiden Freunde haben alle Hände voll zu tun, den Schnee beiseitezuräumen. Dabei trifft der Bär das Wiesel mit einer kräftigen Ladung. Ein Versehen, oder …? Das aufbrausende Wiesel ist zutiefst empört und verlangt nach einer Entschuldigung. Und schon befinden sich beide mitten in einer deftig geführten Diskussion, die mal wieder vollkommen aus dem Ruder läuft …

    Niemand streitet so schön wie Jörg Mühles Kultcharaktere

    »Aber das hat doch gar nicht weh getan.« – »Das kannst du nicht wissen.« Keiner von beiden gibt nach, und als das Wiesel schließlich seine Entschuldigung bekommt, fällt die ganz anders aus, als erwartet! Am Ende können aber alle wieder lachen – bis auf den Fuchs, der mit seinem Auftauchen wie gewohnt für einen Wendepunkt sorgt.

    Jörg Mühle schafft es in dieser Bilderbuchgeschichte erneut, das für Kinder so schwierige Thema des sich Entschuldigens amüsant aufzubereiten. Für lebendiges Vorlesen bietet der hitzige Schlagabtausch, gepaart mit den herrlichen Illustrationen, die beste Grundlage, die man sich wünschen kann. Und das hallt nach bis in den Alltag: Noch heute brummelt das eine oder andere Familienmitglied wahlweise ein tiefes »Ach ja? Pardon(g)!« oder intoniert ein wieselig-genervtes »Sorry!«, wenn mal wieder eine Entschuldigung gefragt ist. Nicht immer ideal, aber immerhin ein Anfang … 

    Fazit: Eine urkomische winterliche Bildergeschichte, die deutlich macht, dass Streiten und gemeinsam Lachen oft gar nicht so weit auseinander liegen.

    Rund ums Buch:

    »Das war doch keine Absicht« ist bereits die dritte Geschichte aus dem Moritz Verlag über das unschlagbare Duo Bär und Wiesel. Mit »Zwei für mich, einer für dich« erschuf Autor und Illustrator Jörg Mühle zwei unsterbliche Kinderbuch-Figuren, bei denen kein Auge trocken bleibt! 

    Das war doch keine Absicht! * Jörg Mühle * Moritz Verlag * 978-3-89565-487-9 * Oktober 2025 * 32 Seiten * Hardcover * ab 4 Jahren

  • Mehr Festtagsstimmung geht nicht! Unser erster Besuch auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt 

    Ich bleibe grundsätzlich misstrauisch, wenn mir zu häufig mitgeteilt wird, dass man diesen oder jenen Ort unbedingt gesehen haben muss. So erging es mir lange Zeit mit dem Straßburger Weihnachtsmarkt. Kann er wirklich so wunderschön sein, wie alle sagen? Oder wird man dort nicht eher totgetreten, anstatt die Atmosphäre genießen zu können? Antworten gibt es in meinem kleinen Besuchsbericht!

    Straßburg zur Adventszeit – eine Stadt im Ausnahmezustand

    Das Besondere am Straßburger Weihnachtsmarkt wurde recht schnell offensichtlich: Hier gibt es nicht nur einen zentralen Markt, sondern die gesamte Innenstadt spielt mit! Stände und Märkte verteilen sich über verschiedenste Plätze und Gassen. Dazu ist die Stadt bunter geschmückt, als es der Weihnachtsmann eigentlich erlauben sollte: Überall blinkende Lichter, bewegliche Installationen und atemberaubend aufwändige Dekoration, wo immer man hinschaut. Und die allermeisten Geschäfte stimmen mit ein und schmücken ihre Außenfassaden mit so viel Liebe und Blick fürs Detail, dass man einfach stehen bleiben muss. So sind selbst entlegene Seitenstraßen mit den staunenden Kindern nur noch im Schneckentempo zu bewältigen. 

    Ein Nachmittag zwischen überladenem Kitsch, Touristenströmen – und besinnlicher Atmosphäre 

    Wir besuchten den Weihnachtsmarkt am zweiten Wochenende und sind damit möglicherweise dem größten Besucheransturm entgangen. Voll war es in jedem Fall, umso voller, je fortgeschrittener die Stunde. Doch der größte Andrang entstand definitiv an einigen wenigen beliebten Hotspots: Rund um die Kathedrale, auf dem Place Kléber, wo ein überdimensionaler Weihnachtsbaum der Blickfang schlechthin war, oder in der Rue des Orfèvres mit ihren hart am Kitsch vorbeischrammenden Lichtinstallationen. Hier war stellenweise nur noch Durchschieben angesagt.

    Abseits der überfüllten Plätze gab es jedoch jede Menge Raum, um die weihnachtlich geschmückte Stadt in aller Ruhe und Ausführlichkeit zu erkunden. So beispielsweise am Ufer des Quai de Bateliers, der zum romantischen Flanieren unter künstlichem Sternenlicht einlud. 

    Unser Fazit: Lohnt sich ein Besuch?

    Unterm Strich: Ja! Einmal im Leben muss man ihn einfach gesehen haben! Als Kennerin typisch uriger deutscher Weihnachtsmärkte ist der Besuch in Straßburg ein fast schon exotisch anmutendes Erlebnis. Hier verbinden sich traditionelle Elemente mit modernem Weihnachtskitsch zu einem einzigartigen Spektakel. Lediglich der Anblick schwer bewaffneter Polizisten an jeder Ecke hat den Zauber etwas gedämpft, aber Sicherheit geht nun einmal vor. Und die gezielte Lenkung der Besucherströme hat dafür gesorgt, dass auch an Engstellen keine Panik aufkam. 

    Wenn ihr dorthin wollt, fahrt unbedingt mit der Bahn von Kehl aus über die Grenze. Das erspart euch auch, in langwierige Kontrollen zu geraten (die Autoschlange über den Rhein konnten wir von der Bahn aus beobachten). Wer noch weitere Informationen über den Straßburger Weihnachtsmarkt sucht, wird auf den Seiten des Office de Tourisme fündig.

  • Rezension: Erstes Lernen – Zahlen

    In drei Worten: Zahlen-Gymnastik für Anfänger
    Erstes Lernen: Zahlen, aus dem Dorling Kindersley Verlag

    Kindgerechte Anreize zum Zählen

    Wir besitzen bereits mehrere Bände aus der Reihe »Erstes Lernen« und die farbenfrohen Fotos machen immer wieder Lust, kreuz und quer durch die Seiten zu stöbern. Dabei sorgt das praktische Griffregister für eine leichte Handhabung, selbst für die Kleinsten. 

    Jede Doppelseite dieses Pappbilderbuches widmet sich intensiv einer Zahl: Von der Eins bis zur Zehn und, als Bonus, noch den Zahlen bis 20. Dabei gibt es jede Menge anregender Motive zum Zusammenzählen und die passenden Ziffern werden mit eingebracht. 

    Für Abwechslung und zusätzliche Lernanreize sorgen kleine Suchaufgaben. Die Zahlenseiten sind jeweils einem Themenbereich zuordenbar, an dem man weiter anknüpfen kann (zum Beispiel »Einkauf« oder »Kleidung«). Es gibt auch Ansätze in Richtung erstes Rechnen (9 Eiswaffeln, davon fünfmal Banane und viermal Erdbeere).

    Besonders toll finden wir die große Übungsseite am Ende, wo es viele verschiedene Dinge in unterschiedlichen Mengen zu zählen gibt. Hier merkt man schnell, wie gut das schon klappt und was das Kind in der Zwischenzeit gelernt hat.

    Die Welt der Zahlen Schritt für Schritt kennenlernen

    Wir lieben die bunte, alltagsnahe Fotoauswahl, die ein Kennzeichen der gesamten Buchreihe ist. Und schätzen die hohe Langlebigkeit der Bände, von denen viele noch von Kind eins stammen. Laut Verlag richtet sich der Titel an Kinder ab einem Jahr. Für den Wortschatzaufbau passt das, für das Thema Zählen sehe ich es eher ab zwei Jahren als realistisch und sinnvoll an.

    Das Buch wächst mit und begleitet kleine Zahlenfans bei der Erweiterung ihrer Kenntnisse. Erst ist es eher praktisch für den Spracherwerb und das Erlernen von Alltagsbegriffen. Dann starten die Kinder mit dem Zählen und lernen nebenbei auch die jeweiligen Ziffern kennen. Schließlich werden die Mengen und Zahlen immer größer, bis wir schließlich bei zwanzig Bienen angelangt sind, die über die Wiese schwirren – und wo man sich beim Zählen schon richtig arg konzentrieren muss, wenn man nicht durcheinander kommen will. An der Stelle kann ich bestätigen, dass auch Vierjährige noch von dem Band profitieren. 

    Fazit: Ein Band, der lange Freude bereitet und Kinder ab circa 2 Jahren mit viel Abwechslung an die Themen Zählen und Rechnen heranführt. 

    Rund ums Buch:

    Die Reihe »Erstes Lernen« aus dem Dorling Kindersley Verlag fördert Babys und Kleinkinder ab 12 Monaten in der Sprachentwicklung. Charakteristisch für die Bilderbücher sind die farbenfrohen Fotos mitten aus der Lebenswelt, die vielfältige Anreize zum Gespräch bieten. Mittlerweile gibt es die Bücher zu verschiedensten Sachthemen, von Farben und Fahrzeugen bis hin zu Jahreszeiten, Tieren oder dem eigenen Zuhause.

    Erstes Lernen: Zahlen * Dorling Kindersley Verlag * 978-3-8310-4873-1 * Februar 2024 * 28 Seiten * Pappbilderbuch * ab 1 Jahr

  • Aufgelesen: Ich fühle mich gemoppst!

    Ein Moppsing-Opfer steht auf!

    Als kleiner Stöpsel hat man es nicht immer leicht! Da ist es ratsam, jederzeit ein Stoppschild parat zu haben, sollten Mama & Papa, große Geschwister oder andere Spielkameraden es mal wieder zu doll treiben.

    Die ultimative Wirkung entfaltet das natürlich, wenn sich hinterher alle erstmal für mehrere Minuten lachend auf dem Boden wälzen – und damit komplett außer Gefecht gesetzt sind. Ein wahrlich cleverer Move …

    Wie setzen sich eure Kleinen zur Wehr?

  • Historiker – Highlight am Fuße der Alpillen: Die antiken Ruinen von Glanum

    Wer an großflächig erhalten gebliebene antik-römische Stätten denkt, bei denen es noch richtig viel zu sehen gibt, landet vermutlich erst einmal bei Orten wie dem Forum Romanum, Pompeji, Ostia Antica, der Via Appia oder vielleicht noch den Kaiserthermen in Trier. In unserem ersten Provence-Urlaub haben wir einen Geheimtipp kennengelernt, der locker mithalten kann: Die antike Stätte Glanum bei St.-Rémy-de-Provence bietet Überreste einer alten Siedlung aus römischer und vorrömischer Zeit.

    Auf den Spuren der römischen Antike: Unser Lieblingsziel im Herzen der Provence

    Wer zum ersten Mal nach Glanum kommt, sollte viel Zeit einplanen: Das Areal ist weitläufig und kann komplett auf eigene Faust erkundet werden, bis in die letzten verborgenen Winkel am Fuß des Berghanges. Ratsam ist außerdem eine schützende Kopfbedeckung bei entsprechendem Wetter, da es nicht allzu viel Schatten gibt. Mittlerweile haben wir Glanum bereits zum dritten Mal einen Besuch abgestattet. Und immer noch finden wir neue Details und entdecken, auf der Jagd nach den schönsten Motiven, Artefakte, die wir noch nie vor der Linse hatten.

    Unsere Zeitreise beginnt immer gleich, auf dem staubigen, aber großzügig bemessenen Parkplatz, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu den sogenannten »Antiques« angelegt wurde: Einem 18 Meter hohen Mausoleum (ca. 40 v. Chr.) und dem alles überragenden Triumphbogen aus der späten Regierungszeit des Augustus. Wenn man aus dem Staunen erfolgreich herausgekommen ist, überquert man die Straße und läuft noch ein kleines Stück weiter stadtauswärts, vorbei an Olivenhainen, bis zum Eingang der Stätte Glanum, die in der Talmulde liegt.

    Kelten, Römer und Hellenen: Über die wechselvolle Geschichte von Glanum

    Die, laut offiziellem Flyer, »bedeutendste Ausgrabungsstätte der Gallia Narbonensis«, hat bewegte Zeiten hinter sich. 

    Triumphbogen und Mausoleum waren lange bekannt, doch erste Hinweise auf die Stadt fand man erst im 17. und 18. Jahrhundert. Systematische Ausgrabungen derselben fanden dann sogar erst ab dem Jahr 1921 statt. Zu diesem Zeitpunkt war Glanum bereits lange aufgegeben: Es wurde von seinen Bewohnern um ca. 260 n. Chr. verlassen, nach dem Einfall der Alemannen.

    Die Besiedlungsgeschichte des Ortes beginnt bereits mit den Kelten ab dem 7./6. Jahrhundert v. Chr. Im Laufe des 3. Jahrhunderts vor Christus machte sich dann der hellenistische Einfluss bemerkbar bevor die Stadt unter Augustus im 1. Jhd. V. Chr. zur römischen Kolonie wurde. Aus allen Epochen finden sich gut erhaltene Überreste und Bauwerke. 

    Was gibt es in Glanum zu entdecken? 

    Eine ganze Menge! Glanum hat weit mehr zu bieten als nur ein paar kniehohe Mauerreste. Ganze Wohnviertel wurden ausgegraben, mit Überresten von Säulen und Innenhöfen. Teile der Kanalisation und der römischen Thermen finden sich hier. Außerdem ein hellenistischer Marktplatz, korinthische Tempel und ein romanisches Forum, dessen Säulen ein Blickfang des Areals sind. Nicht zu vergessen auch die heilige Quelle, zu der man hinabsteigen kann.

    Unser Fazit: Immer eine Reise wert! Und zum Abschluss, wenn alle voller Eindrücke sind und die Füße nicht mehr weitertragen wollen, lohnt sich ein Picknick im Schatten der Olivenbäume oder eine Einkehr für Snacks und kalte Getränke am »buvette de Glanum«, mit Blick auf die Ausgrabungsstätte.Weitere Informationen für den Besuch wie Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr auf der offiziellen Seite zu Glanum

  • Wanderer zwischen den Welten: 10 Unterschiede zwischen Nord und Süd – Teil 2

    Lange musste der geneigte Leser sich in Geduld üben. Nun endlich folgt die Fortsetzung unserer kleinen Milieustudie – wie in Teil 1 rein subjektiv und stets mit einem leichten Hang zur literarischen Übertreibung. Der Umzug vom Bremer Großstadtviertel ins badische Ländle brachte einiges an Überraschungen mit sich, über die wir auch gut acht Jahre später noch so manches Mal staunen. Vorhang auf für Teil 2 des großen Clash of Cultures zwischen Fischköppen und Badensern!

    Seit mehr als acht Jahren sitzen wir nun hier, im ländlichen Speckgürtel der Beamtenstadt Karlsruhe. Dass wir nach unserem Umzug aus Norddeutschland auf gravierende Unterschiede treffen würden, war uns schon vorher bewusst. Manche davon hatten wir schließlich lange herbeigesehnt: Das bessere Wetter mit viel Sonnenschein und höheren Temperaturen, die abwechslungsreiche Landschaft (Berge!!!) und – für zwei Historiker nicht unerheblich – die zahlreichen antiken und mittelalterlichen Kulturdenkmäler, die im Südwesten zu finden sind.

    Andere Dinge wie den badischen Dialekt hatten wir zwar vorausgesehen, aber definitiv unterschätzt. (ja, langsam, ganz langsam, verstehe ich meine Nachbarn – zu vielleicht 80 Prozent). Doch es gab auch jede Menge kleine, aber feine Mentalitätsunterschiede, die uns eiskalt erwischt haben. Viel Spaß mit unseren schönsten Anekdoten! 

    6. Essen & Trinken

    Keine Frage – das gastronomische Angebot in Bremen ist enorm: International, vielfältig und an jeder Straßenecke vorhanden. Doch wir haben es immerhin mit der zehntgrößten Stadt Deutschlands zu tun. Also staunten wir nicht schlecht über die vergleichsweise hohe Restaurantdichte in einem verschlafenen Kaff wie dem unsrigen. Kulinarik besitzt einen hohen Stellenwert in Baden, was vielleicht auch auf die große Nähe zu Frankreich zurückzuführen ist. Man geht unglaublich gerne essen und der Anspruch der lokalen Küche ist hoch. 

    Während man sich also in Bremen für die Kreation des »Rollo« rühmt (ein dünnes Fladenbrot, gefüllt mit allerlei genießbaren und ungenießbaren Zutaten), verzehrt man im Ländle als Fastfood-Pendant doch lieber liebevoll angerichtete »Mauldäschle« oder raffiniert belegte Flammkuchen. Eines muss man den Norddeutschen aber lassen: Beim Thema Tee reicht ihnen so schnell niemand das (heiße) Wasser!

    Todsünde im Süden: Keine Tischreservierung gemacht, egal ob nur zu Randzeiten? Pech gehabt!

    7. Karneval, pardon: Fasching!

    Über das Thema Karneval im Norden gibt es nicht viel zu sagen: Es existiert dort schlichtweg nicht. Sollte es jemand wagen, am Rosenmontag auch nur dezent verkleidet zur Arbeit zu erscheinen, erntet derjenige im besten Fall ein nachsichtiges Kopfschütteln. Im schlimmsten wird er mit der unausgesprochenen Frage »Was für ein kranker Freak ist das denn?« konfrontiert, da der Bezug zum Feiertag erst gar nicht hergestellt wird.

    Und auch mit der Terminologie kann man im Karnevals-Niemandsland wenig anfangen. Auf meine beiläufige Aussage zum Bürokollegen, dass ja übermorgen schon Weiberdonnerstag sei, traf ich auf irritierte Blicke und die ernst gemeinte Frage »Was ist das?«

    So etwas wäre in unserer neuen Heimat gar nicht möglich, auch wenn Weiberfastnacht regional als »Schmutziger Donnerstag« bezeichnet wird (klingt richtig schön versaut, oder …). Weitere Irritation erntete ich als Ex-Rheinländerin mit der inkorrekten Bezeichnung Karneval anstelle von Fastnacht oder Fasching. Und als ich die Erzieherin fragte, welches Kostüm sie für den Anlass parat hätte, folgte eine mehrteilige Aufzählung: Jeden Tag ein neues Outfit – so muss das sein!

    Todsünde im Norden: Sich als Karnevalsfan outen (bin ich zum Glück nicht ;-)). Ein Geständnis, das ohne Umschweife den sozialen Tod einläuten kann.

    8. Angespannte Gelassenheit

    Wer ist denn nun eigentlich entspannter drauf, die Norddeutschen oder die Kollegen aus dem sonnigen Süden? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten und nach mehrjährigen Feldstudien komme ich zu dem Ergebnis: Es kommt drauf an!

    Während ich in Bremen mein Kind stets von oben bis unten eingesaut wie ein Waldferkel aus der Kita abgeholt habe, beschweren sich Eltern vor Ort, wenn die extra dafür angedachten Gummistiefel Spuren von Outdoor-Aktivität aufweisen oder Essensreste nicht zu 100 % aus dem Gesicht ihres Kindes entfernt wurden.

    Auf der anderen Seite würde hier niemandem einfallen, Eltern für mäßig gesunde Lunchboxen oder Buffetbeigaben zu maßregeln oder sich über Plastikschnuller aufzuregen. Da war die Bremer Bio-Fraktion mit ihrem erzieherischen Impetus wesentlich aufdringlicher. 

    Sagen wir einfach: Das Ländle ist geprägt von tiefster Widersprüchlichkeit. Hörte man zu Beginn des Corona-Lockdowns und den ersten Nudel-Ausverkäufen hinter sich noch lockere Sprüche an der Supermarktkasse (»Ah jo, do esse mer halt Spätzele …«) wurde man später hysterisch an den Pranger gestellt, wenn man auch nur über das Thema Impfen nachdachte.

    Todsünde im Süden: Zu viel Gelassenheit bei Themen wie Sauberkeit, Religion – oder Schulmedizin.

    9. Arbeitsmoral

    Ackern und zeitig aufstehen übt sich früh im Ländle. Spätestens ab Schuleintritt ist Schluss mit lustig und die erste Stunde mit Beginn um 7:35 Uhr keine Seltenheit. Das Schulsystem in BaWü ist berühmt-berüchtigt für Anspruch und Leistungsdenken. Und das kann ich in jeglicher Hinsicht leidvoll bestätigen: Da stehen Dinge für Klasse 4 auf dem Lehrplan, die zu unseren glorreichen NRW-Schulzeiten Stoff in Klasse 7 waren. Und die Klausurendichte fällt eindeutig höher aus als in den gemeinen Durchschnittsbundesländern.

    Doch auch am Arbeitsplatz, im Vereinswesen oder selbst beim nachbarschaftlichen Wettstreit um die schönste Gartenanlage wünscht man sich manchmal nichts sehnlicher, als von der »Schaffe, schaffe, Häusle baue«-Mentalität nur einmal wieder in den Bremer »Alles latte«-Modus zu wechseln …

    Todsünde im Norden: Sich über das Bremer Abitur lustig machen.

    10. Familie

    Heiliger als die Kirche oder die eigene Reputation ist hier nur eins: La Famiglia! Paare mit 4, 5 Kindern sind keine Seltenheit, während man in Bremen schon fast als spießig angesehen wurde, wenn man mehr als 2 Blagen produziert hat. Außer, man hat es irgendwie geschafft, als Frau trotzdem Vollzeit arbeiten zu gehen … Emanzipation geht schließlich vor!

    Ob im Restaurant oder auf privaten Feiern: An die Kinder wird hier immer mitgedacht. Spielecken, Wickelräume, Hochstühle – alles vorhanden. Ich werde nie vergessen, wie wir einst ein ultra feines Bremer Restaurant in Bausch und Bogen verlassen mussten, da jemand die Windel bis unter den Nacken voll hatte – und es keinerlei Wickelgelegenheit gab. Sich mit uneinsichtigen Radfahrern um die raren Kinderwagenstellplätze in der Straßenbahn zu kloppen, war auch immer eine ganz besondere Erfahrung. 

    Todsünde im Süden: Kitabetreuung für unter Dreijährige!

  • Rezension: Die Streithörnchen

    In drei Worten: Eine irrwitzige Verfolgungsjagd
    Die Streithörnchen, Rachel Bright und Jim Field

    Alles für den letzten Zapfen im Jahr!

    Leichtfuß Lenni genießt lieber das Leben, als sich um seine Wintervorräte zu kümmern. Doch irgendwann muss auch das sorgloseste Eichhörnchen den Tatsachen ins Auge blicken – im Schrank herrscht gähnende Leere! Da erspäht Lenni einen einsamen Zapfen am Baum. Aber er ist nicht der Einzige, der ein Auge auf den verführerischen Leckerbissen geworfen hat.

    Auch »Bin-bereit«-Finn ist hinter den köstlichen Samen her. Zwar platzt seine Vorratskammer bereits aus allen Nähten, aber DEN einen Zapfen muss er unbedingt noch haben! Der Startschuss zu einer wilden Jagd ist gefallen, die nur ein Ziel kennt …

    Wenn zwei sich streiten …

    Rachel Brights Bilderbücher gehören zu den beliebtesten Trophäen in unserem Bücherregal – und »Die Streithörnchen« verteidigt unangefochten Platz eins. Die Handlung ist einfach nachvollziehbar, in eingängigen Reimen erzählt, und der Grundkonflikt bleibt lebensnah: Welches Kind hat sich noch nicht um ein begehrtes Spielzeug oder den größeren Anteil am Nachtisch gestritten? Hinzu kommen die humorvollen Illustrationen, die an den richtigen Stellen Spannung und Tempo in die Erzählung hineinbringen und die Emotionen der Streitenden greifbar machen.

    Unterwegs wartet so manch eine Überraschung auf die beiden Krawallhörnchen, die nur noch den Zapfen vor Augen haben. Wer genau hinschaut, kann sehen, wie sie größerem Unheil nur um Haaresbreite von der Schippe (oder Klippe) springen. Den endgültigen Wendepunkt der Verfolgungsjagd lieben meine Kinder jedes Mal aufs Neue! Am Ende reift die Erkenntnis, wie unnötig die ganze Aufregung war. Teilen und gemeinsam feiern ist deutlich entspannter! Auch, wenn ich zu gerne gewusst hätte, ob Lenni die Sache im nächsten Winter anders angeht …  

    Fazit: Ein temporeiches Bilderbuch über zwei Streithörnchen, die mit dem Kopf durch die Wand wollen – und sich dann doch im selben Boot wiederfinden.

    Rund ums Buch:

    Autorin Rachel Bright und Illustrator Jim Field bilden ein unschlagbares Team! »Die Streithörnchen« ist bereits die dritte erfolgreiche Zusammenarbeit für eine viel gelobte Bilderbuchserie, die im Magellan Verlag erscheint. Was mit »Der Löwe in dir« begonnen hat, ist längst zu einer Kultreihe avanciert, die aktuell 8 Bände zählt. 

    Die Streithörnchen * Rachel Bright * Magellan Verlag * 978-3-7348-2042-7 * Juli 2018 * 32 Seiten * Bilderbuch * ab 3 Jahren

  • Aufgelesen: Burger-Meister

    Aufgelesen: Burger-Meister

    Kindermund: Lachen hält gesund 😉

    Kinder sind manchmal unfreiwillig kreativ. Besonders, wenn es um Wortschöpfungen geht. Und wie schnell hat man wieder vergessen, was einen gestern noch so herzlich zum Lachen veranlasst hat! 

    Was läge also näher, als diese wunderbaren Stilblüten für die Nachwelt festzuhalten? Mal lustig, mal nachdenklich stimmend, versüßen die kleinen verbalen Ausrutscher hoffentlich auch ein Stück weit euren Tag!

    Zum Start heute eine kleine Kostprobe aus dem Bereich Demokratiebildung. Wie hieß noch gleich der nette junge Mann aus dem Rathaus, der den Grundschulkindern im Sommer regelmäßig Eis spendiert? Richtig …

    Wer den Zusammenhang nicht sieht, ist selber schuld! Schließlich gehören Burger und Eis beide in die Kategorie »absolute Lieblingsspeise« …