In drei Worten: Faszinierende Einblicke - wortwörtlich!
Wie viele Beine hat der Tausendfüßler wirklich? Warum haben Aale keine Flossen? Und ist die Wühlmaus tatsächlich eine richtige Maus?
Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefert das Kindersachbuch »Nette Skelette«. Im Zentrum aber stehen die großformatigen Röntgenbilder. Fische, Insekten, Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere – vom Seepferdchen bis hin zum Reh ist so ziemlich alles dabei. Die Aufnahmen zeigen altbekannte und nicht ganz so bekannte Tiere von einer ganz neuen Seite und bieten, im wahrsten Sinne des Wortes, erstaunliche Einblicke in das oft nahezu filigrane Innenleben unserer Fauna.
Jahrelang hat der Physiker und Fotograf Arie van’t Riet unermüdlich Tiere zusammengesucht und sie unter das Röntgengerät gelegt. Verstorbene Haustiere, auf der Straße überfahrene Exemplare, Insekten von der Wiese, Fische vom Fischhändler … Mit viel Geduld und Fantasie hat er sie für die Kamera arrangiert, oft gemeinsam mit den dazu passenden Pflanzen. Herausgekommen sind wahre Kunstwerke, zumeist in schwarz-weiß, manchmal jedoch auch akzentuiert mit leuchtenden Farbtupfern.
Die Tiere werden jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt. Schon die Überschriften (»Witz- und Spühlmäuse«) machen neugierig auf die Texte von Jan Paul Schutten. Und so bekommt man neben den großartigen Bildern auch noch, kindgerecht verpackt, spannende Fakten aus der Tierwelt präsentiert. Auch für mich war so manche Tatsache durchaus neu. Dabei erschlägt einen »Nette Skelette« nicht förmlich mit geballtem Wissen, sondern erweckt stattdessen die Faszination für die Schönheit unserer Natur. Das macht Lust auf mehr!
Fazit: Echte Röntgenkunst trifft auf charmant erzählte Fakten über die Tierwelt vor unserer Haustür.
Rund ums Buch:
»Nette Skelette« ist im Münchener Mixtvision Verlag erschienen und wird empfohlen für Kinder ab 8 Jahren.
Arie van’t Riet & Jan Paul Schutten * Nette Skelette * Mixtvision Verlag * 978-3-95854-158-0 * Juli 2020 * 128 Seiten * Hardcover
Die Architexterin macht’s jetzt weitestgehend selber. Und wechselt von WordPress.com zu einer eigenen, mit WordPress erstellten Seite. Die DSGVO hat da einen gewissen Anschub geleistet …
Ab sofort findet man mich jedenfalls hier, unter meiner neuen Adresse:
architexterin.de
Noch funktioniert nicht alles perfekt und am Layout lässt sich ebenfalls noch feilen. Aber der Grundstein ist gelegt und ich bin ziemlich erleichtert, dass der Umstieg doch halbwegs reibungslos funktioniert hat.
Ein herzliches Willkommen und viel Spaß weiterhin beim Stöbern!
F*ck 2020! Da stimmen wohl einige voller Inbrunst mit ein. Auch der noch recht frischen Selbstständigkeit hätte das vergangene Jahr einen empfindlichen Dämpfer verpassen können. Doch glücklicherweise: Bei all den Felsbrocken auf dem schmalen Pfad (3,5 Monate ohne Kinderbetreuung) konnte ich nicht über einen Mangel an Aufträgen klagen. Man darf nur hinterher keine grauen Haare zählen. 😉
Immer unverzichtbarer: Der ansprechende Onlineauftritt
Dieses Jahr war sicherlich ein guter Zeitpunkt, um sich Gedanken über die eigene Webpräsenz zu machen. Entsprechend durften wir in Teamarbeit einiges auf den Weg bringen, beispielsweise die umfangreiche Webseite von erhardt Garten- und Landschaftsbau aus Karlsruhe. Auch das Thema Elektromobilität ist stark im Kommen und wurde von Petra Jörger und mir für Martin Stengel Elektrotechnik in Form einer Landingpage aufbereitet. »Verdefaktur« lautet unterdessen der klangvolle Name eines Geschäftsbereichs zur Privatgartengestaltung, dessen Seite noch auf Fertigstellung wartet. Die Namensfindung? Sache der Architexterin. 😊 Und, last but not least: Auch hier auf meiner eigenen Seite hat sich in diesem Jahr viel getan.
Die kunterbunte Social Media -Welt
Facebook kennt jeder – wie man den Feed strategisch sinnvoll und mit gutem Content füttert, braucht allerdings etwas Knowhow. Dieses Jahr hat sich unser kleines Marketing-Team wirklich gefunden und viel Gelegenheit gehabt, sich auszuprobieren und die eigenen Kenntnisse zu erweitern. Wir durften zahlreiche spannende Kampagnen für Facebook und Instagram planen und umsetzen. Und mal ehrlich: Wer macht das nicht gerne für einen Kunden, der voller Tatendrang steckt und keine Angst hat, Neues auszuprobieren. Ich selbst hatte dann auch Bock auf ein eigenes Insta-Profil (@die_architexterin), das ich nach ein paar Lektionen in Sachen Adobe Spark mit größtem Vergnügen hege und pflege.
Lernen 2.0 – neue Wege in der Ausbildung
Mein Lieblingsprojekt im vergangenen Jahr waren eindeutig die Praxismodule für Azubis, für die ich in Zusammenarbeit mit Petra Jörger nicht nur fleißig getextet habe, sondern auch jede Menge inhaltliche Ideen beitragen konnte. Ziel war es, den Galabau-Azubis Aufgaben als Ergänzung ihrer praktischen Ausbildung zur Verfügung zu stellen, die dank einer entsprechenden Plattform auch digital und mobil gelöst und eingereicht werden können. Der vorhandene Aufgabenbestand wurde erweitert, textlich ansprechend und barrierefrei gestaltet, didaktisch und inhaltlich überarbeitet und mit Erklärungen, Ergänzungen und Anleitungen angereichert. Weitere Einblicke zu diesem besonderen Projekt gibt es hier.
Wer rastet, der rostet …
Fortbildung muss immer sein, und so habe ich trotz Pandemie im Sommer ein Seminar zum Thema »Überzeugende Pressemitteilungen« besuchen können, für das sich der Weg definitiv gelohnt hat. Ganz typisch für 2020 stand außerdem mein allererstes Webinar an, das uns in die Geheimnisse des Amazon SEO einführte.
Wie geht es also weiter im neuen Jahr? Einige neue Kundenprojekte zeichnen sich bereits am Horizont ab. Beschäftigen wird mich in den kommenden Wochen vor allem der Relaunch meiner Webseite, die bald über eine .de-Domain laufen soll und aufgrund der DSGVO-Bestimmungen künftig in Deutschland gehostet wird. Hier erwartet mich noch so manch technische Herausforderung.
Also: 2021 wird bestimmt nicht langweilig – aber hoffentlich ein bisschen entspannter! Ich wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr!
Buchhändler und Amazon – das ist so etwas wie eine Erbfeindschaft, die man bereits mit dem ersten Tag der Ausbildung aufgesogen und verinnerlicht hat. Bei aller berechtigter Kritik führt für die Verlage an diesem Giganten allerdings schlicht kaum noch ein Weg vorbei, wenn es um den Absatz von Titeln und deren Auffindbarkeit im Web geht. Ins Webinar zum Thema »Amazon SEO« startete die Referentin Mareike Schubert von der Agentur »medialike« folgerichtig mit einigen überzeugenden Argumenten, warum dieses Thema so große Relevanz besitzt.
Viele Wege führen nach Amazonien …
Gerade bei Produkten stellt man fest, dass die Kunden immer häufiger statt mit der klassischen Google-Suche – auf die auch die klassischen SEO-Maßnahmen abzielen – ihre Recherche direkt auf der Seite von Amazon starten. Das Portal wird also zunehmend zur Informationsquelle, denn es hält eine nahezu vollständige Palette an unterschiedlichsten Produkten bereit und punktet mit ausführlichen und persönlichen Bewertungen. All das gilt natürlich auch für Bücher – ob neu oder antiquarisch, national oder international – und das entsprechende Begleitsortiment. Bequemlichkeit ist eben Trumpf …
Was genau bedeutet »Amazon SEO« eigentlich?
Analog zum klassischen SEO, das sich auf die Verbesserung des Rankings und der Sichtbarkeit in den Suchergebnissen von Google konzentriert, geht es hier darum, die Sichtbarkeit der eigenen Produkte auf der Plattform des Onlinehändlers zu erhöhen. Entscheidend ist hierbei, wie man die Produkteadäquat beschreibtund mit denvom Kunden tatsächlich bei der Suche eingegebenen Schlagworten ausstattet – den sogenannten Keywords. Darüber hinaus bietet Amazon natürlich auch Werbemöglichkeiten wie Sponsored Brands, den eigenen Amazon-Store oder den A+ Content. Einfach und kostengünstig lässt sich die Optimierung aber bei den Metadaten starten.
Amazon SEO – wo lohnt sich das eher nicht?
Im Laufe der Forumsdiskussion kristallisierte sich schnell ein Haken für die Verlage heraus: Belletristik dient dem Kunden nicht als »Problemlösungsprodukt«. Bücher sind eben doch nicht dasselbe wie Toaster … Anders als beispielsweiseRatgeber oder Fachliteratur, die vom Kunden zu ganz bestimmten, eng definierten Themen gesucht wird, sind Romane klassische Stöberprodukte mit großer Konkurrenz. Viele Kunden gehen hier allenfalls mit vagen Suchkriterien ran (»blutiger Thriller«, »Liebesschnulze« …). Um aus der Masse rauszustechen, bedarf es hier weiterer Maßnahmen als »lediglich« einer guten Keywordstrategie. Die Verschlagwortung bleibt aber immer wichtig, um in den entsprechenden Kategorien der Onlineshops und -kataloge überhaupt an passender Stelle gelistet zu werden (z. B. bei Kinderbüchern für bestimmte Alterskategorien).
Metadaten – ein Fall für Spezialisten
Mareike Schubert merkte früh an, dass die Arbeit an Metadaten am besten in den Händen von Marketingexperten aufgehoben sei. Anstelle des oft üblichen Prozedere, erst Titel und Vorschautext festzulegen, um sich dann anschließend um die Verschlagwortung zu kümmern, rät sie zum umgekehrten Weg: Die Keywordrecherche sollte an erste Stelle rücken und alles Weitere hierauf aufbauen. Übrigens: Gute Keywords garantieren wiederum auch bei anderen Online-Händlern und in den Warenwirtschaftssystemen der Buchhandlungen gute Auffindbarkeit.
Wichtige Tipps für die Entwicklung von Keywords:
Immer vom Kunden her denken: Welche Probleme löst mein Produkt? Welche Wünsche treiben meinen Kunden an? Wie wird er seine Suche formulieren?
Keyword-Spamming mit Begriffen, die NICHT zu meinem Produkt passen, ist absolut überflüssig und sogar schädlich. Das Produkt soll ja nicht nur oft aufgerufen werden, sondern vor allem überzeugen und gekauft werden.
Daher sollte man inhaltlich treffende und präzise Keywords bevorzugen.
Es dürfen am Ende ruhig 20 bis 30 Keywords sein.
Die relevantesten Keywords sollten überall eingebracht werden: Titel, Untertitel, Produktbeschreibung und Schlagworte.
Amazon erlaubt sehr lange Titelzeilen. Das darf man ausnutzen, indem man bereits im Titel eine Art knappe Produktbeschreibung unterbringt, die dem Kunden alle relevanten Informationen bietet.
Fazit: Hier wurde ein aufschlussreicher erster Einstieg ins Thema »Amazon SEO & Advertising«, mit all seinen Möglichkeiten und Grenzen, geboten. Vielen Dank an Referentin Mareike Schubert, Moderator Kai-Uwe Vogt und den Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels!
Ziemlich verwirrt war ich angesichts dieser Aufschrift, und die Korrektorin in mir stand kurz davor zu glauben, da hätte sich jemand aber einen ordentlichen Fauxpas geleistet. Bis ich nachrecherchierte und feststellte: Der »Dachs« ist Markenname eines kleinen Heizkraftwerks für Wohnhäuser und Gewerbeimmobilien … Wieder was gelernt. 🙂
Am vergangenen Wochenende ging es auf in den Kölner MediaPark, zu einer Fortbildung des VSB-Bildungswerks. Die Journalistin Bärbel Broer weihte unsere kleine Gruppe in die hohe Kunst der Pressemitteilung ein. Und was soll ich sagen: Der Weg an den Rhein hat sich zu 100 % gelohnt!
Die ideale Pressemitteilung – praxisnah erarbeitet
Seminare in Corona-Zeiten sind ja so eine Sache. Doch der VSB hat hier einen guten Job gemacht und uns mit individuell bereitgestellten Getränken, kleinen Snacks und Give-aways versorgt. Der Vorteil an der überschaubaren Gruppe: Wir konnten besonders intensiv am Thema arbeiten.
Hier gab es keine ellenlangen Vorträge. Anhand zahlreicher Beispiele sollten wir zunächst aktuelle Pressemitteilungen bewerten und lernten so alles über Aufbau, Inhalte, Dos und Don’ts, gelungene und weniger gelungene Strategien.
Keine Pressemitteilung für die „Ablage P“ …
Mit Sichtung der Mitteilungen schlüpften wir in die Rolle der Journalisten, die täglich dutzende Meldungen überfliegen und mit großer Schnelligkeit auf Relevanz überprüfen müssen. Somit wurde rasch klar, worauf es tatsächlich ankommt, damit die Pressemitteilung eine Chance hat, Verwendung zu finden:
Ein interessanter Einstieg, der Lust auf mehr macht und den Inhalt treffend zusammenfasst
Die Beantwortung der W-Fragen, möglichst im ersten Absatz (Wer? Was? Wann? Wo? Warum?)
Eine gute und klare Strukturierung
Einfacher, leserfreundlicher und lebendiger Stil, gerne auch mit Zitaten
Weiterführende relevante Informationen (z. B. zu Ansprechpartnern, zur eigenen Institution und den Hintergründen der Meldung)
… und wie klappt’s mit der Umsetzung?
Anschließend durften wir selbst in die Tasten hauen und zwei unterschiedliche Pressemitteilungen verfassen, die wir gemeinsam besprochen haben. Individuelle Stärken und Schwächen wurden analysiert und das neue Wissen vertieft.
Aus dem Teilnehmerkreis gab es gute Rückmeldungen: Man merke meinen Texten richtig an, dass das Schreiben sowohl Beruf als auch Berufung sei. Das hört man natürlich gerne … 😊 Trotzdem konnte ich noch einige wertvolle Anregungen mitnehmen, um das Ergebnis zu optimieren.
Perspektivwechsel und viel Wissenswertes
Richtig spannend war die journalistische Perspektive, die Frau Broer aus ihrer langjährigen Erfahrung mit einbrachte. Auch über das ganz spezielle Verhältnis zwischen PR-Menschen und Medienvertretern konnte sie viel berichten.
Neben zahlreichen Tipps zum besseren Schreiben erhielten wir noch wichtige Informationen zum Thema Presseverteiler. Die Einrichtung eines solchen Verteilers sollte mit größter Sorgfalt geschehen, denn hier geht, wie so oft, Qualität vor Quantität.
Fazit: Pressemitteilung? Yes, I can!
Nach dem Seminar fühle ich mich definitiv gerüstet für den Umgang mit dieser speziellen Textgattung. Besonders der hohe Praxisbezug hat es mir angetan. Ein großes Dankeschön an Bärbel Broer und den VSB für einen lehr- und inhaltsreichen Seminartag!
»… c’est à peine croyable. Mais il semble bien que ce soit la peste.«
Albert Camus versetzt uns in die beschauliche Stadt Oran an der algerischen Küste, irgendwann in den Vierzigern. In den gleichförmigen Alltag der Bewohner bricht jäh eine todbringende Gefahr ein: Ratten kommen ans Tageslicht und sterben zu Tausenden, mitten auf Straßen und in Häusern. Als schließlich die ersten Menschen erkranken und mit Beulen übersät dem Tod entgegengehen, kann es auch der Letzte nicht mehr leugnen: Die Pest geht um in Oran!
»La peste« war für mich Schullektüre am Gymnasium. Hätte ich damals geahnt, dass ich dieses Buch rund 20 Jahre später noch einmal mit ganz anderen Augen sehen würde? Wohl kaum.
Während meines Re-Reads beschlich mich immer wieder das Gefühl, der Autor müsse den Ausbruch einer Pandemie live miterlebt haben, so gut passen seine Beschreibungen der einzelnen Phasen und der damit verbundenen Gemütszustände der Menschen zur gerade tatsächlich erlebbaren Krise. Unzählige Parallelen tauchten auf und jagten mir Schauer über den Rücken.
Tatsächlich hat Camus keine Pandemie hautnah miterlebt, jedoch finden viele Erlebnisse des Schriftstellers ihren Niederschlag im Werk. Genannt werden in diesem Zusammenhang immer wieder die Erfahrung von Belagerung und Résistance, die kriegsbedingte räumliche Trennung von seiner Frau und eine Tuberkulose-Krankheit, die ihn sein Leben lang begleitete. Oran ist im Übrigen der Heimatort seiner Frau, an dem er phasenweise auch selbst zu Hause war.
Wie im Jahr 2020, so beginnt auch hier die Krankheit im Frühjahr und die schöne Kulisse draußen gibt den Leuten das Gefühl, die Gefahr könne gar nicht real sein. Leugnen und Herunterspielen des Unfassbaren gehören zu den ersten Reaktionen, bis das irgendwann nicht mehr möglich ist.
» – Qu’est-ce que c‘est que cette histoire de rats?– Je ne sais pas. C’est bizarre, mais cela passera.« (S. 17)
» – Was ist das da für eine Geschichte mit den Ratten? – Ich weiß nicht. Merkwürdige Sache, aber das geht sicherlich vorüber.« *
Vorbereitet ist niemand auf das Drama. Obwohl jedem klar sein muss, dass Epidemien in regelmäßigen Abständen auftreten können und es nur eine Frage der Zeit ist, bis man selbst betroffen sein wird.
»Les fléaux, en effet, sont une chose commune, mais on croit difficilement aux fléaux lorsqu’ils vous tombent sur la tête. Il y a eu dans le monde autant de pestes que de guerres. Et pourtant pestes et guerres trouvent les gens toujours aussi dépourvus.« (S. 41)
»Seuchen sind in der Tat nichts Ungewöhnliches, aber man mag kaum daran glauben, wenn sie plötzlich vor der Tür stehen. Auf der Welt gab es genauso viel Pest wie Kriege. Und dennoch werden die Leute stets davon überrumpelt.« *
Es wird beschrieben, wie schwer es den Menschen fällt, die neue Realität zu akzeptieren und damit auch zu akzeptieren, dass ihnen, und zwar ihnen allen, damit auf unabsehbare Zeit ein großer Teil ihrer Freiheiten genommen ist. Viele ziehen sich zurück und klammern sich an ihre gewohnten Alltagsrituale, so gut das noch möglich ist.
»… ils pensaient que tout était encore possible pour eux […] Comment auraient-ils pensé à la peste qui supprime l’avenir, les déplacements et les discussions ? Ils se croyaient libres et personne ne sera jamais libre tant qu’il y aura des fléaux.« (S. 42)
»… sie glaubten, dass für sie noch alle Möglichkeiten offen stünden […] Wie hätten sie an eine Pest denken können, die ihre Zukunft, ihre Beweglichkeit und die Debatten gleichermaßen einschränkt? Sie dachten, sie seien frei, doch niemand wird jemals frei sein, solange es Seuchen gibt.« *
»… nos concitoyens avaient apparemment du mal à comprendre ce qui leur arrivait […] on continuait aussi de mettre au premier plan les préoccupations personnelles. Personne n’avait encore accepté réellement la maladie.« (S. 76)
»… unseren Mitbürgern fiel es offenbar schwer zu verstehen, was da passierte […] man kümmerte sich weiterhin vorrangig um seine persönlichen Belange. Niemand hatte die Krankheit bislang tatsächlich als solche akzeptiert.« *
Die Autoritäten kommen zunächst auch nicht gut mit der Situation klar, verharmlosen und verstricken sich lieber in kleinkarierten Diskussionen, als den Bewohnern den Ernst der Lage begreiflich zu machen.
»Il était difficile de tirer de cette affiche la preuve que les autorités regardaient la situation en face. […] l’on semblait avoir beaucoup sacrifié au désir de ne pas inquiéter l’opinion publique.« (S. 54)
»Es fiel schwer, aus diesem Plakat den Beweis herauszulesen, dass die Obrigkeit sich der Krise stellte. […] man schien vieles dem Wunsch geopfert zu haben, die Öffentlichkeit nicht zu beunruhigen.« *
Resultat ist, dass viele sich nur über die Einschränkungen ärgern und sich nicht betroffen fühlen, solange sie die Toten nicht direkt vor Augen haben. Doch die Lage verschlimmert sich zunehmend und die Stadt wird von der Außenwelt abgeriegelt. Die Zahl der Toten steigt, die Versorgungslage wird schwieriger, Krankenhäuser sind überfüllt …
Jeder geht sehr unterschiedlich mit der Bedrohung um. Manche versuchen, einfach nur ihre Haut zu retten und aus der Stadt zu fliehen, andere profitieren sogar vom Ausnahmezustand und weitere stemmen sich gegen das Unabwendbare und organisieren zivile Hilfstrupps oder stehen als Ärzte an vorderster Front gegen eine Krankheit, die fast zwangsläufig mit dem Tod endet. Sie setzen der Todesgefahr, der auch sie selbst oft nicht entrinnen können, Hoffnung und Solidarität entgegen. Sie müssen ihre weitestgehende Machtlosigkeit erkennen, entscheiden sich jedoch für das Gebot der Menschlichkeit, indem sie trotzdem nicht aufgeben.
Der Kampf gegen die Pest wird in zahlreichen Metaphern in einen kriegerischen Zusammenhang gerückt. Das erinnerte mich sofort an die Rede des französischen Präsidenten Macron: »Nous sommes en guerre!«
Geht es nach den religiösen Autoritäten, lohnt der Kampf gegen die Krankheit nicht, denn sie ist verdiente Strafe Gottes für die Sünder und muss duldend ertragen werden.
»Mes frères, vous êtes dans le malheur, mes frères, vous l’avez mérité.« (S. 91)
»Meine Brüder, das Unglück ist über euch gekommen, meine Brüder, ihr habt es verdient.« *
Die Predigt des fanatischen Père Paneloux ist die wohl radikalste Antwort auf die Krise. Doch auch heutzutage gibt es Stimmen, die Ähnliches verkünden. So befand sich vor wenigen Wochen dieses Pamphlet in unserem Briefkasten (Ausschnitt):
Neben der Angst vor der Krankheit ist die große Ungewissheit das Schlimmste an der Krise. Wie lange wird all das andauern und wann kehrt die Normalität zurück? Ein seltsamer Schwebezustand, den Camus ganz wunderbar beschreibt.
»Ils s’astreignaient par conséquent à ne penser jamais au terme de leur délivrance, à ne plus se tourner vers l’avenir et à toujours garder, pour ainsi dire, les yeux baissés […] ils flottaient plutôt qu’ils ne vivaient, abandonnés à des jours sans direction et à des souvenirs stériles, ombres errantes qui n’auraient pu prendre force qu’en acceptant de s’enraciner dans la terre de leur douleur.« (S. 72)
»Sie zwangen sich daher, niemals über den Endzeitpunkt der Krise nachzudenken, nicht mehr in die Zukunft zu schauen und gewissermaßen stets den Blick gesenkt zu halten […] sie schwebten viel mehr, als dass sie lebten, zurückgeworfen auf Tage ohne Ziel und sterile Erinnerungen; herumirrende Schatten, die nur Kraft hätten schöpfen können, indem sie akzeptierten, im Land ihres Schmerzes Wurzeln zu schlagen.« *
* Eigene Übersetzung
Fazit: Gottseidank ist Corona nicht so gefährlich wie die Pest! Sonst hätte ich nach dieser Lektüre wirklich nicht mehr schlafen können. Aber viele Parallelen sind unbestreitbar. Ein kluges Buch, das zwar keinen allzu großen Optimismus versprüht, jedoch die kleine Flamme der Hoffnung hochhält und den erbitterten Widerstand der Menschen gegen eine tödliche Macht porträtiert.
Rund ums Buch:
»La peste« wurde 1947 veröffentlicht und gilt als eines der wichtigsten französischen Werke der Nachkriegsliteratur. Albert Camus schrieb fünf Jahre lang daran, unter anderem während seiner Zeit in der französischen Résistance.
Albert Camus * La peste * Editions Gallimard * 2-07-036042-3 * 1947 * 288 Seiten * TB
Deutsche Sprache, schwere Sprache. Warum sollte es denn nicht ein bisschen einfacher gehen? Die Trierer jedenfalls haben das Wort »nehmen« komplett aus ihrem Wortschatz gestrichen und verwenden nur noch das universell einsetzbare »holen«. Eine Eigenart, die man sich nach ein paar Jahren vor Ort durchaus angewöhnen kann, wenn man nicht aufpasst wie ein Luchs …
Paar beim Einsteigen am Bahnhof: »Schatz, holst du den Koffer?«
Mann (verwirrt): »Wieso holen, er steht doch direkt neben dir???«
Der Trierer »nimmt« niemals seine Medizin, er holt sie grundsätzlich. Nach einer Party holt man gerne jemanden im Auto mit und sogar die Pfunde werden abgeholt.
Auch bis in die Zwiebelfisch-Kolumnen von Bastian Sick (»Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod«) ist das Thema bereits vorgedrungen:
In drei Worten: Herzzerreißend – tieftraurig – anrührend
Der sechsjährige Zach muss hautnah das unvorstellbare Grauen miterleben: Seine Grundschule wird von einem Attentäter mit Schusswaffe heimgesucht. Er kommt davon, doch sein großer Bruder Andy überlebt den schrecklichen Tag nicht. Die Familie ist paralysiert. Während die Mutter zwischen Nervenzusammenbruch und wütendem Aktionismus changiert, versucht der Vater krampfhaft, die Fassade der Normalität aufrecht zu erhalten, und verkriecht sich in Arbeit. Zach bleibt unterdessen mehr oder weniger allein im Kampf gegen seine Alpträume und mit all den Fragen und dunklen Gedanken, die ihm zusetzen. Kann der kleine Mann über alle hinauswachsen und die Familie wieder zusammenführen?
» Nach einer Weile legte Daddy das Sweatshirt auf seinen Schoß und wischte sich mit der Hand über das Gesicht. Dann drehte er sich zu mir um. ›Wir müssen jetzt stark sein, Zach, alle beide. Wir müssen stark sein für Mommy, okay?‹« (S. 57)
Die Geschichte entwickelt eine fast lautlose emotionale Brutalität, die ihresgleichen sucht und weit über die Schilderungen vom Attentat hinausgeht, mit der »Alles still auf einmal« in medias res startet. Denn das Schlimmste sind nicht einmal die bangen Minuten, die der kleine Zach eingepfercht im Wandschrank verbringt, den Schüssen und Schreien lauschend. Das Leben danach hält für die zarte Kinderseele noch größere Herausforderungen bereit. Denn seine Eltern sind nicht mehr in der Lage, sich um ihn zu kümmern. Das geht so weit, dass Zach am Tag des Attentats, während seine Eltern mit ihm verzweifelt zwischen Tatort und Krankenhaus pendeln, nichts anderes übrig bleibt, als in die Hose zu machen, da trotz Bitten niemand mit ihm eine Toilette aufsucht. Zur Krönung bleibt dies unbemerkt und man legt ihn am Abend mit der zwischenzeitlich getrockneten Hose in sein Bett. Als Mutter bereitet einem die Lektüre an dieser und anderer Stelle fast körperliche Schmerzen. Bezeichnend auch, dass Zach die Wochen danach, zunächst unbemerkt, viel Zeit allein in einem weiteren Schrank verbringt. Dieses Mal zu Hause, im Zimmer seines großen Bruders.
»›Was ist das denn?‹, fragte er. ›Gefühleblätter‹, sagte ich […] ›Wofür steht Rot?‹ ›Schämen.‹ ›Schämen? Warum Schämen?‹ ›Weil ich ins Bett mache‹, sagte ich, und mein Gesicht wurde ganz heiß. […] ›Und Gelb?‹ Es war, als ob Daddy ein Quiz mit mir macht. ›Glücklich‹, sagte ich und sah Daddy wieder an, um zu sehen, ob er es schlimm findet, dass ich ein Blatt für Glücklich gemalt habe, obwohl Andy doch tot ist. Und auf einmal wollte ich das Blatt gar nicht mehr dort hängen haben. ›Und wofür ist das mit dem Loch in der Mitte?‹ ›Für Einsam‹, erklärte ich. ›Einsam ist durchsichtig, deshalb habe ich ein Loch in die Mitte geschnitten, denn es gibt ja keine durchsichtige Farbe.‹« (S. 222/223)
Auch mit seinen emotionalen Nöten bleibt er sich selbst überlassen. Er hat Alpträume, viele Fragen über den Tod und den Täter, die er sich nicht zu stellen traut. Zudem steckt er mitten im Gefühlschaos aus Trauer, Wut und Momenten der Freude, denn er hat überlebt während sein Bruder sterben musste. Ein Bruder, für den sich das Verlustgefühl in Grenzen hält. Häufig drangsalierte Andy ihn und war für die gesamte Familie steter Quell von Zwist und Streitigkeiten. Doch wie soll er verstehen, dass die Erwachsenen das alles im Angesicht des Todes irgendwie zu vergessen scheinen und voll der positiven Worte für den großen Bruder sind? Seine Eltern, die in dieser schwierigen Zeit Halt geben sollten, verlieren selbst jeden Halt, driften auseinander. Das Umfeld kann ihm auch nur bedingt helfen, verliert sich in Plattitüden. Doch immerhin, schon kleine Gesten von Außenstehenden zeigen Zach, dass er gesehen wird und dass er nicht allein ist. Man denke beispielsweise an den Anhänger, den er von seiner Lehrerin geschenkt bekommt. Ein Appell auch an die Gesellschaft, nicht wegzuschauen.
»›Wünschst du dir manchmal, dass ich tot bin? Ich meine statt Andy? Dass Andy noch hier ist und ich nicht?‹ Ich spürte, wie wieder Tränen in meine Augen kamen. Daddy starrte mich einen Moment lang an und machte seinen Mund ein paar Mal auf, aber es kamen keine Wörter raus, so als ob er erst üben muss, bevor er etwas sagen kann.« (S. 232)
Im starken Kontrast zu den schwer verdaulichen Tatsachen steht die kindliche Naivität, und, man möchte beinahe sagen, Leichtigkeit, mit der die Geschichte aus Zachs Perspektive geschildert wird. Er berichtet über das Chaos um ihn herum und in seinem Innern, teils staunend, immer ungefiltert und ohne Mitleid zu heischen. Dabei kennt er auch wenig Berührungsängste, was negative Gefühle und Tabuthemen angeht. Das ist es auch, was die Geschichte so einzigartig und anrührend macht. Der Stil erinnert an Emma Donoghues Bestseller »Raum«, in dem ebenfalls aus der Perspektive eines kleinen Jungen über ein stark erschütterndes Thema berichtet wird.
Fazit: Auch jetzt, mehrere Wochen nach der Lektüre, lässt die Geschichte nicht los. Ein Buch, das unter die Haut kriecht und tiefe Spuren hinterlässt. Dennoch birgt es Hoffnung und zeigt, welch beeindruckende Stärke in einer Kinderseele schlummern kann.
Rund ums Buch:
Das Original erschien unter dem vielseitig interpretierbaren Titel »Only child« (dt. »Einzelkind«). Es ist das Erstlingswerk der in Bremen aufgewachsenen Autorin, die heute mit drei Kindern in der Nähe von New York lebt.
Alles still auf einmal * Rhiannon Navin * April 2019 * DTV * Paperback * 384 Seiten * 978-3-423-26217-0 * 15,90 EUR
Jahreswechsel sind immer eine gute Gelegenheit, um innezuhalten, das Erreichte und Erlebte Revue passieren zu lassen, Schlüsse zu ziehen und mit frischen Ideen und Zielen ins neue Jahr zu starten.
In diesem Jahr galt das für mich nicht nur im Privaten sondern auch im Beruflichen: Ende Januar feiert die Architexterin einjähriges Bestehen.
Und was war das für ein herausforderndes Jahr!
Viel gelernt habe ich dabei, ungeahnt viel. Als angehende Selbstständige sieht man sich mit einem Berg von Vorschriften, Anträgen, Gesetzen etc. konfrontiert. Was muss alles beachtet werden? Was braucht man? Was darf man und was nicht? Finanzamt, Steuern, Versicherungen, eigene Buchhaltung …
Der Aufbau und Unterhalt der Webseite erschafft einen ganz eigenen Kosmos an Arbeit und Vorschriften, der nicht zu unterschätzen ist (Stichwort DSGVO). Marketing ist natürlich entscheidend, Logo, Geschäftspapier, Visitenkarten, Werbemittel, Fotos und Bilder, die eigene Zielausrichtung finden, wie kann man potentielle Kunden ansprechen …
Neben all diesen Dingen, die für mich in weiten Teilen Neuland bedeuteten, war mir auch die Weiterbildung wichtig. So nahm ich an einem Kurs der VHS Karlsruhe teil, der mich fit gemacht hat im Umgang mit dem Layoutprogramm InDesign. Für die Erstellung und Bearbeitung von Geschäftsunterlagen kann ich dieses Programm nur wärmstens empfehlen!
Zum Thema SEO habe ich eine Fortbildung der Netzstrategen in Karlsruhe besucht, die wertvolle Erkenntnisse geliefert hat.
Ein Highlight in jeglicher Hinsicht war ohne Frage mein Ausflug zur Buchmesse in Frankfurt.
Mit den ersten Anfragen kamen dann gleich die nächsten Herausforderungen: Preise kalkulieren, Zeit und Aufwand abschätzen, Urheberrechtsfragen … Wie schreibe ich ein Angebot? Was gehört in eine Rechnung? Nur zwei von bestimmt hundert Fragen, die beantwortet werden wollten.
Zum Glück gibt es Menschen, die einem weiterhelfen und einen aufbauen, wenn man zwischendurch rat- und mutlos wird. Sehr dankbar bin ich meinem Mann und diversen Freunden, die Tipps und Ratschläge en masse parat hatten und mich in vielerlei Hinsicht im ersten Jahr unterstützten.
Ein ganz besonderer Dank geht an Petra Jörger, die nicht nur für mein Logo und meine Visitenkarten verantwortlich ist, sondern sich auch immer wieder Zeit für zahllose hilfreiche Hinweise an den »Noob« genommen hat. Auch für erste Aufträge hat sie mich mit ins Boot geholt und dabei die Dinge so unkompliziert wie möglich gestaltet.
Ein herzliches Dankeschön für dein großes Vertrauen und auf eine gute weitere Zusammenarbeit im neuen Jahr!
Neben kleineren Korrekturarbeiten standen in diesem Jahr zwei größere Webseiten-Textprojekte im Zentrum, die ich zu gegebener Zeit unter der neu zu schaffenden Rubrik »Referenzen« kurz vorstellen möchte.
Damit bin ich auch schon beim Ausblick angelangt. Das zweite Jahr wird nicht minder herausfordernd, da bin ich mir absolut sicher. Viele wichtige Grundsteine sind gelegt und es kann mit Vollgas weitergehen. Mein Fokus wird insbesondere auf der Gestaltung von Webtexten liegen, doch auch den Bereich Übersetzung möchte ich vorantreiben und mich in Wirtschaftsfranzösisch weitergehend qualifizieren.
Es gibt also wie immer viel zu tun …
Ich wünsche allen Lesern, Kunden und Geschäftspartnern ein erfolgreiches und vielversprechendes Jahr 2020!